Good Bye, Adieu, Bis bald!

Kostümfilme & Co. verabschiedet sich vorerst aus der Blogger-Gemeinde. Es fehlt an Zeit für Recherchen und fürs Posten und schweren Herzens muss ich einsehen, dass es ohne regelmäßige Beiträge nicht weitergehen kann. Vielleicht kommen noch einmal andere Zeiten, wer weiß, daher will ich den Blog noch nicht endgültig schließen. Aber bis auf weiteres wird es hier keine Informationen mehr geben. Ich empfehle allen Interessierten das deutschsprachige Forum Carriages & Corsets, das beinahe täglich mit Neuigkeiten aufwarten kann und wo ich nach wie vor auch mitdiskutieren werde.

Ich danke allen Lesern, Followern und Kommentatoren!

Ganz liebe Grüße und vielleicht auf bald – Tinka.

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Kostümfilmgeschichte – Adrians „Marie Antoinette“

© Academy of Motion Picture Arts and Sciences, MGM CollectionEin Film der den französischen Hof zur Zeit des Ancien Regimes zeigt, sollte immer eine Ausstattungsorgie sein, denn damals wurde in puncto Glanz und Gloria bekanntlich mächtig geklotzt. Nicht umsonst wurde die französische höfische Kultur und ihr Mittelpunkt – das Schloss Versailles – zum Vorbild und Maßstab für europäische Prachtentfaltung und Herrschaftsauffassungen. Bei den Hollywood Studios MGM gab es bereits 1933 erste Pläne zur Verfilmung der Geschichte um die französische Königin Marie Antoinette und eine mehrjährige Vorproduktion verschlang für damalige Zeiten unglaubliche 400.000 Dollar. Unter anderem reiste der Kostümdesigner Adrian – der damals einflussreichste und kreativste Hollywood Designer – nach Österreich und Frankreich, um vor Ort zu recherchieren. Unmengen von Seide sowie Gold- und Silberspitzen wurden gekauft, denn Adrian kam zu dem Schluss, dass „geschichtlich gesehen die Frauenkleidung nie aufwendiger war, als zu Zeiten Marie Antoinettes“.  Bis zum Sommer 1937 hatten die MGM Studios 59.277 Dokumente und Daten zu historischen Persönlichkeiten, deren Sprache, Kostümen, und Ausstattungen gesammelt. Insgesamt wurden 1.538 Bücher, 10.615 Fotografien, Gemälde und Zeichnungen sowie 5.000 Seiten ungebundener Manuskripte geprüft.

Kostüm für Madame du Barry

Adrian konzentrierte sich auf die bekannten Gemälde von Vigee-Lebrun. Viele seiner Designs für den Film basierten auf diesen Gemälden, mit Mikroskopen untersuchte man die Darstellungen von Verzierungen, Stickereien und Applikationen. Um dem Dekor der Stoffe auf den Gemälden zu entsprechen, wurde diese originalgetreu nachgewebt.  Adrian beschäftigte mehrere Damen, die allein für die Applikationen und Verzierungen zuständig waren und Tag und Nacht stickten, oftmals in so feiner Ausarbeitung, dass nur mit Hilfe von Vergrößerungsgläsern gearbeitet werden konnte.

Das Hochzeitskleid

Norma Shearer trug 34 Kostüme als Marie Antoinette, mit einem Gesamtgewicht (der Kostüme!) von über 800 Kilogramm. Das schwerste dieser Kleider, das Hochzeitskleid, wog allein 54 kg, bestehend aus mehr als 500 yards weißem Satin, tausenfach bestickt mit hand-verzierten Silberlilien, umringt von kleinen Kunstperlen. Bei allen Reifrock-Kostümen wurde das Panier nicht auf den Hüften befestigt, sondern am Kleid selbst befestigt, so dass das gesamte Gewicht auf den Schultern lastete anstatt auf der Hüfte.

Die Ankunft in Versailles

Adrians Designs standen im Zentrum der Aufmerksamkeit, selbst die aufwendigen Kulissen von Cedric Gibbons konnten die Extravaganz der Kostüme nicht übertreffen. Die dramatische Kurve der Geschichte um Marie Antoinette wurde durch das Design anschaulich unterstichen: Bei der Ankunft am Hof von Versailles trägt Norma Shearer ein Seidenkleid, handbemalt mit Frühlingsblumen und gerüschten Volants, auf dem Kopf einen großen Strohhut tragend.

Die Königin hat ein Geheimnis

Der Besuch der Dauphine in Paris sowie ihr Aufstieg zur ersten und glamourösesten Dame des Hofes ist gekennzeichnet von zunehmend raffinierten und aufwendigeren Verzierungen der Roben. Als Königin, heimlich verliebt in Graf Axel von Fersen, spiegelt ein voluminöser Seidenmantel mit Pelzbesatz die Last, die auf ihren Schultern ruht.*

Trotz der aufwendigen Recherchen und immensen Kosten – oder gerade deswegen – waren die Kostüme letztlich nicht historisch korrekt, sondern glichen eher prunkvollen Fantasien. Adrian setzte sich übrigens im Jahr 1948 zur Ruhe, genau in diesem Jahr stiftete die Academy of Motion Picture Arts and Sciences den ersten Oscar für das beste Kostümdesign, folglich hat Adrian nie eine der heute so begehrten Statuen erhalten.

*Alle bis zu diesem Punkt genannten Fakten sind dem Buch Gowns by Adrian – The MGM years 1928-1941 von Howard Gutner entnommen.

In Erinnerung an John Barry

John Barry, einer von Hollywoods ganz großen Filmkomponisten, verstarb heute im Alter von 77 Jahren. Er schuf nicht nur den berühmtem Soundtrack zu Jenseits von Afrika (1985), sondern auch von Kostümfilmproduktionen wie Der Löwe im Winter (1968), Maria Stuart, Königin von Schottland (1971), Robin und Marian (1976), Cotton Club (1984), Der mit dem Wolf tanzt (1990) oder Der scharlachrote Buchstabe (1995). Am bekanntesten sind wahrscheinlich seine Kompositionen für die James-Bond-Filmreihe, für die er etliche Soundtracks beisteuerte. Zum Gedenken habe ich aber doch Jenseits von Afrika ausgewählt:

Die Mode um 1830

Es folgt ein kleiner Auszug aus Caroline de la Motte Fouqués Aufsatzsammlung zur Geschichte der Moden von 1785-1829. Sie beschreibt in ihren Ausführungen die revolutionäre Entwicklung der europäischen Mode vom Spätrokoko über das Directoire bis hin zum beginnenden Biedermeier, wobei diese Betrachtungen keineswegs der Bekleidung allein vorbehalten sind, vielmehr betreibt die Autorin eine anhand modischer Veränderungen abgeleitete Gesellschaftskritik.  Im Jahr 1829 kommt sie schließlich zu folgendem, ein wenig ernüchtertem Schluss:

… Wir lesen indeß Memoiren und Zeitschriften, haben Modejournale und Modebilder, bedürfen keiner Phantasie, die Wirklichkeit ist ja ganz wiedergewonnen. So stehen wir denn auch fest und steif in ihr da, schnüren uns ein, wie ehemals, geben dem Kopf unförmige Breite und Höhe, spannen Fischbeinreife unter die unermeßlichen Ermel, falten die Kleider dick und kraus um die Hüften, schneiden den Rock so kurz, als es irgend der Anstand erlaubt, lassen ihn unterhalb tonnenartig abstehen, und arbeiten still nach der Bouffante und der Herissonfrisur hin. Paris ist und bleibt der Herd des guten Geschmacks, Theater und Salon reverberiren die Lichter von daher in tausenfachem Farbenspiel, indeß England Geldspekulationen leitet und fördert, Leihbibliotheken füllt, und selbst im französichen Salon geselliger Rücksichtslosigkeit das Nationalsiegel aufdrückt. Vielleicht hat indeß das Jahr 1830 auch diese Mode schon wieder durch eine neue verdrängt.

Viggo Mortensen, Michael Fassbender und Keira Knightley in „A Dangerous Method“

Vor kurzem hatte ich ja bereits die Produktion A DANGEROUS METHOD erwähnt, möchte aber an dieser Stelle den Film ein wenig genauer vorstellen. Unter der Regie von David Cronenberg, der hier wieder mit seinem Lieblingsdarsteller Viggo Mortensen arbeitet, erzählt der Film die Geschichte der Sabine Spielrein (Keira Knightley), einer jungen russischen Jüdin, die unter hysterischen Anfällen leidet und sich deshalb in die Behandlung des Schweizer Arztes Carl Gustav Jung (Michael Fassbender) begibt. Während der psychoanalytischen Sitzung nach der Methode Sigmund Freuds (Viggo Mortensen), den Jung regelmäßig konsultiert, kommen Arzt und Patientin sich näher. Auch Freud selbst kann den Reizen der Sabina Spielrein nicht widerstehen, als diese nach ihrer Heilung bei ihm als Psychoanalytikerin anlernen will. Hinzu kommt noch ein weiterer Patient namens Otto Gross (Vincent Cassel), der die Verhältnisse zusätzlich verkompliziert.

Das Drehbuch basiert auf der Vorlage des Theaterstücks The Talking Cure von Christopher Hampton, der auch selbst am Drehbuch zum Film beteiligt war. Übrigens sollte zunächst eigentlich Christoph Waltz die Rolle des Sigmund Freud übernehmen, er hat aber das Projekt beizeiten verlassen und dreht ja nun Drei Musketiere.

=> Hier gibt es zwei Videos von den Dreharbeiten letztes Wochenende in Wien! Mit singenden Viggo Mortensen und Michael Fassbender, aber ohne Keira.

Bildquellen: The Playlist, KeiraKnightleyFan.com