„Les Adieux à la Reine“ eröffnet Berlinale

Die 62. Berlinale, die vom 09.-19. Februar stattfindet, eröffnet mit Benoit Jacquots Les Adieux à la Reine. In den Hauptrollen spielen Diane Kruger die Königin Marie Antoinette und Lea Seydoux deren Vorleserin Sidonie Laborde. Der Streifen ist ebenfalls Teil des Wettbewerbs um den Goldenen Bären als bester Film. Weitere Bilder gibt es nur zwei Beiträge weiter unten, ein Trailer ist bisher noch nicht veröffentlicht worden.

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Neues von Marie Antoinette in „Farewell, My Queen“

 

Endlich gibt es Neuigkeiten in Form von Bildern und einem Interview. Diane Kruger erklärt darin, dass die „super intellektuelle“ Machart des Films ihr ein paar Sorgenfalten beschert. Einerseits fühle sie mit ihrem im Film dargestellten Charakter, andererseits sei ein Scheitern vorprogrammiert, weil jeder Zuschauer bereits eine vorgefertigte Meinung über so bekannte historische Persönlichkeiten habe. Und da niemand wisse, wie Marie Antoinette wirklich war, entscheiden letztlich sie und die Autoren darüber, wie die Königin im Film portraitiert wird. Diane Kruger bezeichnet Marie Antoinette in diesem Zusammenhang als interessant aber seltsam.

Außerdem geht Diane davon aus, dass sie selbst wie geschaffen für diese Rolle sei. Naja, abwarten… Der Film hat bei Fans dieser Ära bislang nicht gerade Vorschusslorbeeren erhalten, hauptsächlich wegen der lumpigen Kostüme, die auch in diesen Fotos nicht besser rüberkommen.

Kostümfilmgeschichte – Adrians „Marie Antoinette“

© Academy of Motion Picture Arts and Sciences, MGM CollectionEin Film der den französischen Hof zur Zeit des Ancien Regimes zeigt, sollte immer eine Ausstattungsorgie sein, denn damals wurde in puncto Glanz und Gloria bekanntlich mächtig geklotzt. Nicht umsonst wurde die französische höfische Kultur und ihr Mittelpunkt – das Schloss Versailles – zum Vorbild und Maßstab für europäische Prachtentfaltung und Herrschaftsauffassungen. Bei den Hollywood Studios MGM gab es bereits 1933 erste Pläne zur Verfilmung der Geschichte um die französische Königin Marie Antoinette und eine mehrjährige Vorproduktion verschlang für damalige Zeiten unglaubliche 400.000 Dollar. Unter anderem reiste der Kostümdesigner Adrian – der damals einflussreichste und kreativste Hollywood Designer – nach Österreich und Frankreich, um vor Ort zu recherchieren. Unmengen von Seide sowie Gold- und Silberspitzen wurden gekauft, denn Adrian kam zu dem Schluss, dass „geschichtlich gesehen die Frauenkleidung nie aufwendiger war, als zu Zeiten Marie Antoinettes“.  Bis zum Sommer 1937 hatten die MGM Studios 59.277 Dokumente und Daten zu historischen Persönlichkeiten, deren Sprache, Kostümen, und Ausstattungen gesammelt. Insgesamt wurden 1.538 Bücher, 10.615 Fotografien, Gemälde und Zeichnungen sowie 5.000 Seiten ungebundener Manuskripte geprüft.

Kostüm für Madame du Barry

Adrian konzentrierte sich auf die bekannten Gemälde von Vigee-Lebrun. Viele seiner Designs für den Film basierten auf diesen Gemälden, mit Mikroskopen untersuchte man die Darstellungen von Verzierungen, Stickereien und Applikationen. Um dem Dekor der Stoffe auf den Gemälden zu entsprechen, wurde diese originalgetreu nachgewebt.  Adrian beschäftigte mehrere Damen, die allein für die Applikationen und Verzierungen zuständig waren und Tag und Nacht stickten, oftmals in so feiner Ausarbeitung, dass nur mit Hilfe von Vergrößerungsgläsern gearbeitet werden konnte.

Das Hochzeitskleid

Norma Shearer trug 34 Kostüme als Marie Antoinette, mit einem Gesamtgewicht (der Kostüme!) von über 800 Kilogramm. Das schwerste dieser Kleider, das Hochzeitskleid, wog allein 54 kg, bestehend aus mehr als 500 yards weißem Satin, tausenfach bestickt mit hand-verzierten Silberlilien, umringt von kleinen Kunstperlen. Bei allen Reifrock-Kostümen wurde das Panier nicht auf den Hüften befestigt, sondern am Kleid selbst befestigt, so dass das gesamte Gewicht auf den Schultern lastete anstatt auf der Hüfte.

Die Ankunft in Versailles

Adrians Designs standen im Zentrum der Aufmerksamkeit, selbst die aufwendigen Kulissen von Cedric Gibbons konnten die Extravaganz der Kostüme nicht übertreffen. Die dramatische Kurve der Geschichte um Marie Antoinette wurde durch das Design anschaulich unterstichen: Bei der Ankunft am Hof von Versailles trägt Norma Shearer ein Seidenkleid, handbemalt mit Frühlingsblumen und gerüschten Volants, auf dem Kopf einen großen Strohhut tragend.

Die Königin hat ein Geheimnis

Der Besuch der Dauphine in Paris sowie ihr Aufstieg zur ersten und glamourösesten Dame des Hofes ist gekennzeichnet von zunehmend raffinierten und aufwendigeren Verzierungen der Roben. Als Königin, heimlich verliebt in Graf Axel von Fersen, spiegelt ein voluminöser Seidenmantel mit Pelzbesatz die Last, die auf ihren Schultern ruht.*

Trotz der aufwendigen Recherchen und immensen Kosten – oder gerade deswegen – waren die Kostüme letztlich nicht historisch korrekt, sondern glichen eher prunkvollen Fantasien. Adrian setzte sich übrigens im Jahr 1948 zur Ruhe, genau in diesem Jahr stiftete die Academy of Motion Picture Arts and Sciences den ersten Oscar für das beste Kostümdesign, folglich hat Adrian nie eine der heute so begehrten Statuen erhalten.

*Alle bis zu diesem Punkt genannten Fakten sind dem Buch Gowns by Adrian – The MGM years 1928-1941 von Howard Gutner entnommen.

Neuer Frock Flicks Podcast zu „Das Halsband der Königin“

Nach mehr als zwei Jahren gibt es einen neuen Kostüm-Podcast der Frock-Flicks-Ladies, diesmal zum Film Das Halsband der Königin. Dieses unsägliche, langweilige Machwerk mit geschichtsverfälschenden Tendenzen gehört nun wirklich nicht zu meinen Favoriten, aber die Kostüme sind tatsächlich sehenswert. Da hätten sich die Macher von Les Adieux à la reine mit ihren traurigen Klamotten mal eine Scheibe abscheiden sollen. Diesmal wird allerdings recht wenig über die eigentliche Ausstattung des Films geredet und stattdessen mehr über Adrien Brody geschwärmt. Zum Podcast geht es hier: Klick.

 

 

Diane Kruger in voller Montur als Marie Antoinette in „Les Adieux à la reine“

Modisch gesehen passt hier wenig ins Jahr 1789, in dem die Filmhandlung angesiedelt ist. Vor allem die Haare! Weit daneben ist auch vorbei. Bis auf das Kleid von Lea Seydoux (rechts im Bild), das im übrigen aber etwas zu violett für die Zeit ist,  sehen die Kostüme leider auch nur mittelprächtig aus. Das grüne von Virginie Ledoyen als Polignac find ich viel zu giftig, die Robe von Diane sieht mit den Ärmelvolants auch recht altertümlich aus. Naja, hoffen wir, dass die Story alles rausreisst, denn ein Kostümfest scheint der Film nicht zu werden.

image source

„Les Adieux à la reine“ – Setbericht und erste Bilder von Diane Kruger als Marie Antoinette sowie von Lea Seydoux und Virginie Ledoyen

Wow, CanalPlus sind einfach die besten! Stellen die doch einfach einen 22-minütigen (!) Setbericht mit Filmausschnitten und Interviews zu Les Adieux à la reine zur Verfügung. Ich bin begeistert, denn wir bekommen nicht nur Diane Kruger zu Gesicht, sondern auch Hauptdarstellerin Lea Seydoux, welche die Vorleserin Marie Antoinettes spielt, und nicht zuletzt gibt es auch ein Interview mit Virginie Ledoyen in der Rolle der Duchesse de Polignac. Toll, toll, toll. Der Regisseur kommt natürlich auch ausführlichst zu Wort, Lea auch, und ebenfalls der Louis XVI. Darsteller.  Am besten hier selbst anschauen.

Hat ein Kirsten Dunst deja vu - Diane Kruger als Marie Antoinette

Die Vorleserin - Lea Seydoux

Nicht so putzig wie Rose Byrne - Virginie Ledoyen als Duchesse de Polignac

Im Petit Trianon...

Hier geht’s zum Drehbericht, der auch gleichzeitig die Quelle der hier gezeigten Bilder ist: Klick!

Der Beweis: Gerard Depardieu ist NICHT Louis XVI

Weil es ja irgendwie auch zu abwegig war. Vom Alter her passt da Xavier Beauvois ein bisschen besser, dieser spielt nämlich in der Verfilmung Les adieux à la reine die Rolle des Louis XVI. an der Seite von Diane Kruger als Marie Antoinette, von der wir hoffentlich auch bald Fotos sehen. Hier gibt es noch weitere Fotos von den Dreharbeiten, die den König und seine Brüder, den Comte d’Artois (Francis Leplay) und den Comte de Provence (Gregory Gardebois) zeigen. Welcher von den beiden jeweils welchen Bruder darstellt, kann ich nicht genau belegen, aber vielleicht lest ihr einfach mal im Orignalbeitrag von Aurélien Ferenczi in ihrem Blog nach, von der auch alle hier verwendeten Fotos stammen. Die Kostüme schneiden bisher schon mal ganz gut ab!

 

Bildquelle 1

Bildquelle 2