„Die Herzogin“ lässt tief blicken…

Da am 17. November auf Vox der Film Die Herzogin ausgestrahlt wird, meines Wissens nach zum ersten mal im Free TV, widme ich einer ganz besonderen Szene im Film, die einiges über die Mode der damaligen Zeit erkennen lässt. Keira Knightley spielt Georgiana Cavendish, die sich voller Zuversicht mit dem Herzog von Devonshire (Ralph Fiennes) verheiraten lässt. In der Hochzeitsnacht macht sich der frisch gebackene Ehemann daran, seine Frau zu entkleiden und bittet erst einmal um eine Schere. Doch als er beginnt an ihrer Robe herumzuschnippeln, ist er keineswegs dabei, das Kleid zu zerstören…

 

Keira Knightley trägt in dieser Szene eine so genannte Robe à la Francaise, im Englischen auch Saque genannt, welche die dominierende Kleiderform im 18. Jahrhundert (bis in die 80er Jahre hinein) war. Das eigentliche „Kleid“ war im Grunde ein Mantel (manteau), der die oberste Lage dieser Garderobe darstellte (siehe Skizze). Dieser war vorn geöffnet. Unter dem Manteau trug man einen separaten Rock (Jupe, Petticoat), der vorne, im Sichtbereich dekoriert und verziert war, zumeist in Einklang mit dem Manteau. Im Brustbereich war der reichlich dekorierte Stecker angebracht, der das Korsett verdeckte und die Lücke zwischen den geöffneten Mantelseiten schloss.

Im Film kann man die verschiedenen Lagen, ihre Reihenfolge und Art der Befestigung sehr gut nachvollziehen. Allerdings in umgekehrter Reihenfolge:

Mit der Schere wird der Mantel von Stecker und Korsett getrennt, über denen er seitlich angebracht ist und zwar nicht mit Knöpfen oder Haken, sondern oftmals bei der Ankleide mit einigen Heftstichen auf dem Stecker angenäht. Alternativ wurde er auch mit Nadeln festgesteckt. Sobald der Mantel auf beiden Seiten des Steckers abgetrennt ist, wird er einfach von den Armen und Schultern gestreift und abgelegt.

Jetzt trägt die Herzogin noch den Rock, der nur vorne verziert ist, wie man hier sieht.

Der Rock ist mittels zweier Taillenbänder auf den Hüften befestigt und wird natürlich über dem Panier (dem Reifrockgestell) getragen. Wenn dieser abgelegt ist, bleiben die grundlegenden Kleidungsstücke übrig, die jede Dame unter ihren Roben trug.

Die unterste Lage war eine Chemise, meist aus Leinen, die am Hals-Auschnitt oder an den Ärmeln auch mit Spitze besetzt sein konnte. Darüber wurde das Korsett/Schnürbrust sowie Panier/Poschen getragen. Anders als oben dargestellt, wurde das Panier meist über dem Korsett auf der Hüfte mit Taillenbänder befestigt. (siehe auch unten stehendes Bild)

Hier sieht man wie damals die Korsetts geschnürt wurden, nämlich nicht im Zick-Zack, wie wir es heute von unseren Schuhen kennen, sondern spiralig. Das Reifrockgestell wird als nächstes abgelegt.

Als nächstes wird die spiralige Schnürung des Korsetts gelöst. Man sieht hier noch den Stecker, der auf der Vorderseite des Korsetts befestigt ist. Die kleinen weißen Flecken am Rande des Steckers sind die Stoffecken, mit deren Hilfe der Stecker auf dem Korsett mit Nadeln festgesteckt wird.

Zu guter letzt trägt die Herzogin nur noch ihre Chemise und Strümpfe. Und alles weitere seht ihr ja dann im TV. Und noch ein Tip: Eine sehr ansehnliche Ankleideszene, sowohl für die Dame als auch für den Herrn, kann man gleich zu Beginn des Films Gefährliche Liebschaften (1988, Regie Stephen Frears) sehen.

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