„The Borgias“ vs. „Borgia“ ~ so weit, so gut…

Die Ausstrahlung der europäischen Ko-Produktion auf ZDF nähert sich ihrem Ende und ich für meinen Teil konstatiere mal, dass Borgia die Borgias überholt hat. Die amerikanische Variante erschien mir von Anfang an so dermaßen kühl, glatt und auf Mafia-Ästhetik getrimmt („the original crime family!“), dass mir spätestens ab Folge 6 die Geduld ausgegangen ist. Und es hing auch immer ein fauler Hauch der Tudors darüber, zwar gab es weniger Sex, dafür aber in abstruseren Szenarios. Die Geschichte der Bastarde (Cesare, Juan und Lucrezia), die sich in der europäischen Variante sehr anschaulich entfaltet, ist mir in der amerikanischen Version irgendwie komplett entgangen. Warum wer wann und wie welche Motive entwickelte, blieb mir dort hinter schöneren Fassaden, Gesichtern und Kostümen verborgen.

Kommen wir also zum Casting. Da geht ein Punkt nach Amerika, denn Rodrigo Borgia kommt in Gestalt von Jeremy Irons doch weitaus charismatischer und verschlagener rüber als in John Domans Darstellung, obwohl der seine Sache auch nicht schlecht macht. Auch Guilia Farnese gefällt mir in der amerikanischen Fassung besser, allerdings hauptsächlich, weil sie da keine Brunette ist. Bei allen anderen Rollen hat die europäische Besetzung eindeutig die Nase vorn. Mark Ryder als Cesare Borgia hat meines Erachtens nach die interessanteste Rolle und ist sowieso das Highlight der Serie. Dagegen sah Francois Arnaud etwas blass aus. Die amerikanische Lucrezia wirkte von Anfang an eher wie eine Märchenfee, auch hier finde ich die Besetzung und Darstellung von Isolda Dychauk weitaus passender, nicht so gutmenschelnd naiv und engelhaft. Juan Borgia, dargestellt von David Oakes in der amerikanischen Produktion, leidet irgendwie durch das Deppen-Image, das Oakes in Die Säulen der Erde aufgebaut hat, es scheint irgendwie die gleiche Figur zu sein. Das ist natürlich eine höchst subjektive Einschätzung  – im Gegensatz zu meinen anderen Behauptungen ; )  Jedenfalls geht der Punkt an Stanley Weber: grobschlächtig, machtgierig, dämlich. Bei allen anderen Charakteren, u. a. Allessandro Farnese, Della Rovere, Cardinal Sforza, kommt es mir sowieso vor, als seien sie in der amerikanischen Produktion gar nicht mit von der Partie gewesen, insofern wieder ein Plus für die europäische Fassung.

Ok, ich bin natürlich etwas parteiisch in meiner Einschätzung, da ich mit The Borgias nicht warm geworden bin. Dank der aktuellen Ausstrahlung der Borgia-Serie weiß ich jetzt allerdings, dass es nicht – wie ursprünglich gedacht –  an der Thematik sondern an der Umsetzung lag.

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