Neulich gesehen: Die Geliebte des französischen Leutnants (1981)

Originaltitel: The French Lieutenant’s Woman (1981)

Regisseur: Karel Reisz

Drehbuch: Harold Pinter (nach einem Roman von John Fowles)

Hauptdarsteller: Meryl Streep, Jeremy Irons

Als so genannter „Film im Film“ erzählt Die Geliebte des französischen Leutnants die Geschichte eines Schauspielerpaares (Meryl Streep als Schauspielerin Anna und Jeremy Irons als Schauspieler Mike), das während der gemeinsamen Dreharbeiten zu einem Kostümfilm eine Affäre hat. Die Liebesgeschichte der Schauspieler steht dabei im Kontrast zur Liebesgeschichte der Romanfiguren, wobei vor allem das Rollen- und Machtverhältnis von Mann und Frau (scheinbar) auf den Kopf gestellt wird.

In der verfilmten Romanhandlung ist Sarah Woodruff (gespielt von Anna -> gespielt von Meryl Streep) eine gesellschaftlich Ausgestoßene. Man erzählt von ihr, sie habe sich einem französischen Leutnant hingegeben und warte nun sehnsüchtig auf seine Rückkehr. Der frisch verlobte, gutbürgerliche Charles Henry Smithson (gespielt von Mike -> gespielt von Jeremy Irons) wird auf die geheimnisvolle schöne Frau aufmerksam und verliebt sich in sie, ohne jedoch zu ahnen, dass er von Sarah dazu auserkoren ist, selbst die Rolle des berüchtigten französischen Leutnants einzunehmen.

 

Während Mike Kreuzworträtsel löst, recherchiert Anna für ihre Rolle der Sarah

Parallel dazu erleben die beiden Schauspieler Anna und Mike während der beiden Dreharbeiten eine Liebesaffäre, von der sich Mike mehr erhofft. Anne jedoch ist mit einem (französischen!) Kollegen liiert und lässt die Affäre nach Drehschluss im Sande verlaufen.

 

Das Antlitz des Leidens...

... wird zum Motor der Kunst

Wenn zunächst auf der Romanebene Sarah als unglückliches Opfer erscheint, welches hilfesuchend von der Gunst alter Damen und von der Zuneigung Charles‘ abhängig ist, stellt sich bald heraus, dass diese bewusst gewählte Opferposition ihr für damalige Zeiten unerhörte Freiheiten und Manipulationsmöglichkeiten eröffnet. Gönner und herablassende Wohltäter werden unversehens zu Ausgenutzten.

 

Mit den Mitteln der Frau - 19. Jahrhundert

Mit den Mitteln der Frau - 20. Jahrhundert

Der verliebte Charles geht sogar soweit, seine Verlobung aufzulösen. Sarah, die künstlerische Ambitionen hat, versagt sich ein vorzeitiges Glück, denn ihr „Schicksal“ ist ihre kreative Inspiration. Schließlich findet sie eine Enklave, in der ihr zeichnerisches Talent aufblüht, während Charles unablässig auf der Suche nach ihr ist. Als er sie Jahre später schließlich findet, steht einem Happy End nichts mehr im Weg.

 

Sarah und Charles - Happy End

Das Schauspielerpaar hat trotz gänzlich unterschiedlicher Grundvoraussetzungen mit ähnlichen Problematiken zu kämpfen. Jedoch ist Anna hier ganz offensichtlich die dominantere von beiden, ihre Selbstbestimmung ist nicht mehr subtil. Mike wirkt wie der Spielball im Leben dieser Künstlerin,  ähnlich seinem alter ego im Film. Die Gefühlswelt beider Männer wird von den offenen oder verdeckten Ambitionen der Frauen in Mitleidenschaft gezogen.

 

Kein Happy End für Schauspieler Mike

Die Produktion Die Geliebte des französischen Leutnants lebt von ihren diversen Ebenen, von denen ich nur wenige angerissen habe und die sich scheinbar unendlich aufschlüsseln lassen. So könnte man noch diskutieren über die im Film verhandelten psychoanalytischen Befunde, die dargestellten Freiheitsentwürfe, die unzähligen Varianten und Ebenen des „Schauspielens“ – vor allem das gesellschaftliche Agieren, die Symbolik der Farben und so weiter und so fort.

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