Die Mode um 1830

Es folgt ein kleiner Auszug aus Caroline de la Motte Fouqués Aufsatzsammlung zur Geschichte der Moden von 1785-1829. Sie beschreibt in ihren Ausführungen die revolutionäre Entwicklung der europäischen Mode vom Spätrokoko über das Directoire bis hin zum beginnenden Biedermeier, wobei diese Betrachtungen keineswegs der Bekleidung allein vorbehalten sind, vielmehr betreibt die Autorin eine anhand modischer Veränderungen abgeleitete Gesellschaftskritik.  Im Jahr 1829 kommt sie schließlich zu folgendem, ein wenig ernüchtertem Schluss:

… Wir lesen indeß Memoiren und Zeitschriften, haben Modejournale und Modebilder, bedürfen keiner Phantasie, die Wirklichkeit ist ja ganz wiedergewonnen. So stehen wir denn auch fest und steif in ihr da, schnüren uns ein, wie ehemals, geben dem Kopf unförmige Breite und Höhe, spannen Fischbeinreife unter die unermeßlichen Ermel, falten die Kleider dick und kraus um die Hüften, schneiden den Rock so kurz, als es irgend der Anstand erlaubt, lassen ihn unterhalb tonnenartig abstehen, und arbeiten still nach der Bouffante und der Herissonfrisur hin. Paris ist und bleibt der Herd des guten Geschmacks, Theater und Salon reverberiren die Lichter von daher in tausenfachem Farbenspiel, indeß England Geldspekulationen leitet und fördert, Leihbibliotheken füllt, und selbst im französichen Salon geselliger Rücksichtslosigkeit das Nationalsiegel aufdrückt. Vielleicht hat indeß das Jahr 1830 auch diese Mode schon wieder durch eine neue verdrängt.

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