Neulich gesehen: „Lady Jane“ (1986)

Wenn es an der Neuigkeitenfront flaut, werde ich hier und da auf ältere Filme zu sprechen kommen, die ich kürzlich gesehen habe. Ich war so kurz davor diese Rubrik „revisited“ zu nennen, habe mich aber doch für eine deutsche Bezeichnung entschieden, auch wenn diese weniger griffig ist. Natürlich habe ich nichts gegen die englische Sprache, aber brauche ein bisschen mehr Stringenz in diesem ganzen Blog-Konzept. Es ist so verführerisch und leicht, stets ins Englische abzudriften… Wo wir auch schon fast beim Thema sind.

 

Helena Bonham Carter als Lady Jane Grey

Vor einer Weile, kurz nach Neujahr, habe ich mir Lady Jane (deutscher Zusatztitel: Königin für neun Tage) angeschaut, den ich vorher nicht kannte. In den Hauptrollen spielen Helena Bonham Carter als Lady Jane Grey, Cary Elwes als Guildford Dudley, John Wood als dessen Vater John Dudley und Patrick Stewart als Janes Vater Henry Grey. Wie der Titel schon sagt, erzählt der Film die Geschichte der kurzen Regentschaft von Königin Jane, er ersten Frau auf Englands Thron, wenn man so will. Diese wurde nach dem Tod von König Edward VI. im Jahr 1553 von protestantischen Kräften, allen voran der Herzog von Northumberland, als Thronfolgerin gekrönt, um der Katholikin Mary, Tochter Heinrichs VIII., zuvor zu kommen. Wer die Geschichte Jane Greys nicht kennt, kann gerne noch einmal bei Wiki nachlesen.

 

Jane Grey findet Trost bei Edward VI.

Was bei Marie Antoinette (2006) über die Ästhetik – mit bunten Farben, Popmusik und versteckten Chucks – vermittelt werden sollte, wird in Lady Jane rein über die Aktion und Konstellation des Personenensembles erreicht. Lady Jane ist ein Teenager-Drama, in dem die 16jährige, überaus gebildete Jane Grey nicht nur gegen die Züchtigungen und Fremdbestimmung durch die Eltern rebelliert, sondern in ihren Altersgenossen, dem sterbenskranken König Edward VI. und ihrem Gatten Guildford Dudley Seelenverwandte findet, die mit ihr jeweils eine Gemeinschaft gegen die Intrigen der Erwachsenen bilden. Leid wird gemeinsam beweint und belacht, Ideale werden gemeinsam kultiviert und überhöht. Lady Jane Grey träumt von einer besseren Welt und wird, anders als andere Idealisten ihres Alters, plötzlich in die Lage versetzt, diese als Königin tatsächlich umzusetzen. Dagegen hat nicht nur die düpierte Thronfolgerin Mary etwas.

 

Das glückliche Ehepaar

Die Schauspieler sind erfrischend in ihren Darstellungen, besonders Helena Bonham Carter, die hier perfekt besetzt ist. Ganz ohne den Einfluss von Tim Burton und schrullige Outfits ist sie mir sowieso am liebsten. Und Cary Elwes kannte ich bisher nur als Held in Strumpfhosen, daher war ich hier besonders positiv überrascht. Die beiden sind ein anrührendes Weltverbesserer-Team, das leider in den Macht- und Religionskämpfen ihrer Eltern aufgerieben wird.

 


Weniger glücklich als Königin

Sehr gut haben mir auch die Kostüme gefallen. Es gibt keine Modenschau, Lady Jane trägt des öfteren das gleiche, wenn auch sehr hübsch blaue Kleid, das aus Samt scheint. Protzig und teilweise sehr beeindruckend kommt aber Mary daher, die übrigens als Janes antagonistisches Pendant eine andere Fassette idealistischer Überhöhung repräsentiert. Wie Jane ihre Regentschaft auf die Umsetzung ihrer gesellschaftlichen Utopien ausrichtet, ordnet Mary nicht weniger beseelt alles ihrem Traum einer gottgefälligen Verbindung mit Phillip II. von Spanien unter.

 

Noch weniger amused ist Königin Mary I.

 

 

3 Kommentare zu “Neulich gesehen: „Lady Jane“ (1986)

  1. Eva sagt:

    Herrje… ich muss immer furchtbar heulen wenn ich den Film sehe. Er ist einfach so schön traurig!

  2. juli sagt:

    war das jetzt deine angemessen kostümierte antwort auf meinen neulichen hinweis mit den john hughes filmen? ;o)

    gruß!

  3. Tinka sagt:

    @Juli: Stimmt, das könnte passen. ^^
    Ich besitze leider keine solche Sammlung, aber heutzutage ist das ja dank Internet *räusper* …ich meinte Videothek! kein Problem mehr.

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