„Nichts so Natur als Shakespeares Menschen!“ – Johann Wolfgang v. Goethe

Philipp Stölzls Film über den jungen Johann Goethe, bevor er zu unserem Dichterfürst avancierte, wurde bereits vorab als das deutsche Pendant zu Shakespeare in Love gehandelt. Nicht zu unrecht, auch wenn Goethe! sicherlich nicht annähernd die Kassen- und Oscarerfolge wird feiern können. Dazu ist er dann doch zu abgekupfert und unoriginell. Wie hieß es doch ganz am Ende aus dem Munde seiner Freunde: „Da erzählt er einfach die banalste Geschichte der Welt…“ Was nicht nur für Goethes Bestseller Die Leiden des jungen Werthers gilt, um dessen Entstehung sich die Handlung des Streifens ziemlich frei spinnt, sondern auch für den gesamten Film. Angesichts der durchaus guten schauspielerischen Gesamtleistung wünschte ich mir oft genug, man hätte irgendeine andere Facette des umtriebigen Universalgenies (!) gezeigt, aber es musste ja Goethe in Love sein. Und wo wir gerade bei Shakespeare waren, oder unbedingt sein wollten, zeigt Goethe! konsequenterweise gerade jene Schaffensphase des gestrandeten Jurastudenten, in welcher er tatsächlich am meisten vom englischen Dramatiker beeinflusst war, nämlich in der Entstehungsphase vom Götz von Berlichingen und vom Werther, während die Alteingesessenen auf Lessing und Co. schwörten. Wieso dann im Film gerade letzterer mit dem ungeliebten Shakespeare in einen Topf geworfen wird, ist ein wenig verwunderlich, zumal von Professoren einer juristischen Lehranstalt! Wirklich erfrischend wäre es gewesen, hätte man diese Shakespearsche Wiederentdeckung, bzw. die Entdeckung des autonomen Individuums durch die jungen Stürmer und Dränger als weltanschauliches Prinzip noch mehr handlungstechnisch verwoben, zumal die charmante Lotte Buff, der Jugendschwarm Goethes, bezeichnenderweise Fan von Lessings Emilia Galotti ist, des tugendhaftesten aller Opfer!

Was das übrige Schaffen Goethes betrifft, fallen im Film hier und da kleine Andeutungen. So ist die Rede u.a. von Komplementärfarben oder vom Theaterdirektor Goethe. Ebenso spricht Lotte über Dichtung und Wahrheit, um das erzählerische Prinzip des Films zu rechtfertigen. Was nicht unbedingt notwendig ist, denn wer kennt sich heute noch mit Goethe aus? Goethe! ist gepflegte Kino-Unterhaltung, gut gecastet und gespielt. Alexander Fehling und Miriam Stein sind beide bezaubernd auf ihre Art und auch die Ausstattung kann sich sehen lassen. Ein bisschen mehr Variantenreichtum in der weiblichen Garderobe hätte ich mir gewünscht. Da hatte man es mit Lottes zwei wechselnden Kleidern wohl ein wenig zu genau genommen mit der Authentizität, natürlich nur, um diese mit einem weißen Hochzeitskleid wieder zu torpedieren. Ansonsten ist Goethe! ein empfehlenswerter Kinospass, der wenig über Goethe und nichts neues über die Liebe erzählt.

 

3 Kommentare zu “„Nichts so Natur als Shakespeares Menschen!“ – Johann Wolfgang v. Goethe

  1. Pemberley sagt:

    Ups,da sollte noch „Im Forum “ stehen.

  2. Tinka sagt:

    Ja, ich mochte den Film, was vermutlich in dieser Kritik nicht eindeutig genug war. Grundsätzlich hätte ich mir aber mehr gewünscht, gerade im Hinblick auf die Literatur, bzw. die Einflüsse, unter denen der junge Goethe arbeitete. Was natürlich albern ist im Hinblick auf die Produktion. Nur wenn man schon Lessing und Shakespeare erwähnt, wäre es doch interessant gewesen, daraus mehr zu machen. Sowas darf man mir nicht einfach vor die Nase werfen und dann einfach versickern lassen…; ) Denn welcher Abiturient weiß schon, dass der große Shakespeare damals unter Dramatikern sowas wie der Antichrist war und erst die Stürmer und Dränger ihn hierzulande zu dem machten, was er heute ist.
    Ansonsten muss ich schon sagen, dass Alexander Fehling mein hauptsächliches Nochmal-Anguck-Argument ist. Die Story an sich hat mich nicht überzeugt.

    Tinka

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