Kostümdesign à la Marlene

Those were the days, als man auf historische Genauigkeit noch weniger gab als heute und wo selbst Größen der Geschichte wie Zarin Katharina II. hinter der Konstanz eines Hollywood-Starimages zurückstecken mussten. Obwohl es auch in den 1930er Jahren bereits Kunstpelz gab, wurde in Hollywood in puncto Filmkostüm geklotzt und nicht gekleckert. Und so konnte z.B. Marlene Dietrich nicht ganz uneigennützig im Vorfeld der Dreharbeiten zu Scarlet Empress so manche Änderung an den aufwendigen Roben von Travis Banton durchsetzen. Im Sommer 1933 wurden die ersten Entwürfe besichtigt. An Marlene Dietrichs Seite war damals ihre Tochter Maria, die sich an folgende Begebenheit erinnert und einen Einblick in die übergriffige und kreative „Teamarbeit“ zwischen Star und Designer bietet:

„Meine Mutter bückte sich und hob den Entwurf für das Kleid zur Parade hoch. Auch mir gefiel diese Zeichnung am besten. ‚Warum können wir für dieses Kostüm nicht flaschengrünen Samt nehmen statt blauen und für den Pelzbesatz Nerz? Bei deinem Entwurf wirkt der weiße Hermelin gegen den dunklen Samthintergrund viel zu ablenkend… und eine hohe Mütze muss dunkel sein, damit das Gesicht besser zur Geltung kommt… das Gesicht ist wichtig, nicht die Mütze … Füttere die Jackenschultern stärker aus, damit die Ärmel schlanker wirken. Wie wäre es, wenn die Jacke lang wäre und wie ein Reitkostüm und über die Krinoline reichte, vorne in zwei Spitzen ausliefe, besetzt mit einem breitem Nerzband, die sie gegen den Rock abheben? (…) Du hast hohe Stiefel vorgesehen? Und vielleicht eine kurze Reitpeitsche? Die passenden Handschuhe haben wir bereits – ich habe sie in Paris gekauft. Liebling (Marlenes Tochter Maria), morgen bringen wir die Schachtel mit der Aufschrift >Dunkelgrün – kurz< und zeigen sie Travis. Jetzt will ich mir anschauen was Jo (von Sternberg) mit dem Palast gemacht hat. Bei all diesen riesigen Krinolinen muss er die Türen sehr breit machen.“

Natürlich wurde das Paradekostüm nach den Maßgaben der Dietrich gefertigt. Sie setzte sogar noch gegen die Wünsche des Studios Paramount die Anfertigung eines Nerzmuffs durch, der ursprünglich nicht vorgesehen war und praktischerweise nach den Dreharbeiten in den Privatbesitz der Schauspielerin überging.

Nachzulesen in Meine Mutter Marlene von Maria Riva.

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