„Robin Hood“ – mein nicht mehr ganz so frischer Eindruck

Wer diesen Blog seit längerem kennt, dem wird nicht entgangen sein, dass ich auf Robin Hood mehr als nur gespannt war. Ich mag Ridley Scott und seine erste Kollaboration mit Russell Crowe in Gladiator hat mich seinerseits gleich mehrmals ins Kino gelockt. Trotz aller Unkenrufe und schlechten Kritiken habe ich mir also Robin Hood letzte Woche angeschaut – und bin durchaus zufrieden mit dem Ergebnis. Sicher, ein wirklich guter Film ist dieses potenzielle Prequel nicht. Dazu ist die Geschichte um die Outlaw-Werdung eines gestandenen Kreuzfahrers einfach zu platt und eindimensional, vor allem wenn sie dann auch noch so konventionell und bierernst erzählt wird, wie es hier geschieht. Dass Ridley Scott die Geschichte hinter der Legende (bzw. eigentlich die Geschichte davor) erzählen wollte, war ja seit langem klar, aber dass die im Grunde so uninteressant ist, hatten wohl die meisten nicht erwartet. Robin Longstride gerät ungeplant in die Rolle des Robin von Locksley, findet an dessen Heim und Herd eine neue Familie, entdeckt dabei Verdrängtes bezüglich seiner eigenen Herkunft und verscherzt es sich als Kriegsheld mit dem ehrgeizigen aber inkompetenten jungen König. Nebenbei gibt es noch ein bisschen Historisches rund um die Entstehung der Magna Carta, das wars dann inhaltlich aber schon. Ob man diese Geschichte nun wirklich hat erzählen müssen, sei einfach mal dahingestellt, obwohl diese Frage bezüglich der Filmindustrie sowieso geschenkt ist.

Was man Robin Hood zugute halten kann, ist die Tatsache, dass er trotz einer drögen Story und 140min Länge zu keinem Zeitpunkt langweilig wirkt. Die Schauspielriege überzeugte, wenn mich auch die beiden Hauptdarsteller eher kalt gelassen haben. Crowe war wie immer ein bisschen zu bieder, Cate Blanchett wirkte mir zu emanzipiert für die ansonsten sorgsam gestaltete historische Kulisse. Und nach wie vor plädiere ich für botoxfreie Gesichter in Filmen, erst recht wenn es um Historisches geht!

Ansonsten gab es viele sehenswerte Bilder, Einstellungen und Szenen; an dieser Stelle sei vor allem jene erwähnt, in der Marian ihren Ehemann seiner Kampfmontur entkleidet. So was sieht man in dieser Rollenverteilung leider viel zu selten. Immer wieder gerne sehe ich auch vermeintlich korrekte Darstellungen historischer Orte, um genauer zu sein das mittelalterliche London, die Themse geschmückt mit Schiffen und umrandet von dichtem Laubwald. Da braucht es nicht viel, um mich glücklich zu machen. Ein wenig mehr Damengewandung wäre nicht schlecht gewesen, da bot eigentlich nur Elanor von Aquitanien was fürs Auge. Cate dagegen trug ein Mieder als Oberbekleidung bei der Feldarbeit, wobei – glaube ich – nicht gesichert ist, ob es damals überhaupt schon sowas wie versteifte Mieder gab.

Ok, an solchen Details sollte man sich vermutlich nicht aufhalten. Obwohl ich doch mehr gemeckert als gelobt habe, kann ich Robin Hood auf jeden Fall empfehlen. Wer jedoch keine ausgprägte Affinität für das Genre hat, der wird hier sicher enttäuscht werden.

So, mal schauen wie lange ich brauche, um meine two cents zu Young Victoria folgen zu lassen.

3 Kommentare zu “„Robin Hood“ – mein nicht mehr ganz so frischer Eindruck

  1. christiansfoyer sagt:

    Unterhaltung für’s Auge, wenig darüber hinaus, so hab ich das ebenfalls wahrgenommen. In historischer Akkuratesse bin ich zwar wenig bewandert, aber überzeugt hat’s mich allemal😉
    Insgesamt hatte ich mir von Scott & Crowe auch mehr erhofft, „Gladiator“ ist einer meiner Lieblinge (4x im Kino, insgesamt 12x gesehen), von Scott fand ich auch „Kingdom of Heaven“ klasse, da kann „Robin Hood“ auf keinen Fall mithalten

    • Tinka sagt:

      Stimmt, Gladiator und Kingdom of Heaven waren die Maßstäbe, die im Vorfeld angelegt worden sind, und da kann Robin Hood echt nicht mithalten. Ich hatte ihn mir auch etwas epischer gewünscht. Im nachhinein kommt er mir jetzt fast ein wenig nüchtern vor, obwohl ich es grundsätzlich mag, wenn die Pathoskeule nicht zu sehr geschwungen wird. In den Kritiken stand ja viel von fehlender Ironie etc., was zwar stimmt, aber davon waren Gladiator und Kingdom auch weitestgehend frei und waren prima Filme. So richtig kann ich leider nicht benennen, woran es nun eigentlich lag, dass das Ziel verfehlt wurde, denn die Zutaten waren durchaus alle da. Bin gespannt, ob es vielleicht eine Fortsetzung geben wird.

      LG Tinka

  2. Timo sagt:

    Als Filmsüchtiger kann ich nur sagen dass man diesen Film mehrmals anschauen kann und immer wieder neue spannenede Details entdeckt.

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